Konversion und wichtige Fragen
Der Missbrauchs-Vorfall mit dem katholischen Pfarradministrator Peter K. der, obwohl er schon mal Kinder missbrauchte wieder in einem Dienst eingesetzt war, wo er ein weiteres Kind missbrauchen konnte, hatte mir deutlich gemacht wie mein Verhältnis zur katholischen Kirche war. Schon seit langem fühlte ich mich nicht wohl darin.
Womit es angefangen hat kann ich gar nicht genau sagen, ich bin als Kind mit meiner Oma in die Kirche gegangen was ich auch nicht schlimm fand, bei ihr lernte ich das Beten vor dem Essen und schlafen gehen. Das wollte ich dann als Kind auch zu Hause und bei uns wurde dann vor dem Essen auch gebetet. Doch es war immer das gleiche Gebet und irgendwie fühlte es sich für mich später nach „Zwang“ an und es war peinlich wenn Freunde zu Besuch da waren. Ich ging fast nie zur Kirche, zu Weihnachten manchmal oder eben wenn ich bei Oma war, was mit den Jahren aber immer weniger wurde.
Als mein Opa starb fand ich das Rosenkranzbeten sehr schlimm, heuchlerisch und sinnlos. Ich kam mir fast vor wie in einer Sekte durch die immer wiederholenden Gebete und den Worten selbst. Mir ging es damals aber auch nicht sehr gut, es war 2000 als mein Weg noch ganz am Anfang stand.
Als ich 2002 in der Klinik war lernte ich dort die evangelische Kirche kennen. Viele Patienten waren christlich und sprachen auch darüber. Mein Verhältnis zu Gott war einfach -nicht vorhanden- und doch fühlte ich mich dort wohl und sicher. Ich besuchte manche Messen und sang auch im Chor mit. Manche Patienten hielten einen Bibelkreis was mir etwas zu „heftig“ erschien. Doch eines Tages ging ich auch mit und fand es sehr gut. Ich betete auch laut zu Gott und obwohl ich am Anfang aufgeregt war sprudelten die Worte plötzlich aus mir raus und ich fühlte mich befreit danach.
Die Patienten mit denen ich näher befreundet war gehörten freikirchlichen evangelischen Gemeinden an und erzählten mir davon was sich für mich alles sehr gut anhörte. Julia schenkte mir eines Tages „Die Story von Jesus besser bekannt als: Bibel„ was mich sehr freute und worin ich auch las. Danke noch mal liebe Julia.
Als ich aus der Klinik raus kam wollte ich mir auch eine freikirchliche evangelische Gemeinde suchen doch ich fand hier im Saarland nichts passendes und ich verlor das ganze wieder aus dem Sinn. Freiwillig in die katholische Kirche ging ich nicht mehr und wenn ich mal dort war, weil es die Umstände erforderten fühlte ich mich nicht wohl.
Als ich dann 2004 mit Martin zusammen kam erfuhr ich recht bald das sein Schwager Ralph evangelischer Pfarrer ist und wie gut sie sich verstehen. An Ostern lernte ich die liebe Familie dann kennen und wir gingen gemeinsam zu der Messe, so das ich wieder einen evangelischen Gottesdienst besuchte. Und es war wie 2002 in der Klinik, schön, beruhigend, locker und ohne Zwang den ich in der katholischen Kirche immer spürte.
Bei jedem evangelischen Gottesdienst den ich seit dem besuche fühle ich mich unheimlich wohl.
Was das alles mit 2007 und meinem Weg zu tun hat? Ich konvertierte in diesem Jahr zum evangelischen Glauben und fange gerade an mich damit auseinander zu setzen.
Ich habe die Hoffnung das Gott auch mich sieht und bin gleichzeitig auf der Suche nach ihm. Möchte Klarheit und habe viele Fragen, beschäftige mich derzeit auch mit Vergebung, wie sieht Gott das und sollte, werde und kann ich auch vergeben?
Fast das zweite Jahr zu Ende ohne etwas über den Missbrauch zu schreiben, das ist ein gutes Zeichen, denn es geht mir besser. Vorbei ist es aber leider nicht wie ich Ende Oktober deutlich spürte. Der kleinen Sandra ging es nicht so gut. Es tat weh aber es war ok für mich. In solchen Momenten brauche ich einfach nur etwas mehr Schutz, Musik, zwei Kissen, leichte Gedanken, wenig Nähe, Ruhe und Zeit zum schreiben. Ich versuche mir dies auch alles zu geben was mit jedem Jahr besser klappt. Alles wird irgendwann gut und mein Weg lohnt sich noch immer!
Ich hoffe das dir meine Texte immer noch helfen auch wenn ich auf meinem Weg schon weiter gekommen bin und es immer weniger um den erlebten Missbrauch geht, meine Texte sollen dir aber auch zeigen wie man aus ganz dunklen Tälern ins Licht reisen kann.
Dieser Text stammt von der Webseite „der lange weg ins licht“, und findest du unter www.derlangeweginslicht.de/meinweg.php
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