Die Verhandlung und Tschüß 2005
Leider haben sich meine Gefühle wieder geändert, denn ich hatte im Juni 2005 Akteneinsicht und ich fühle mich seit dem sehr zerstört. Es tat so weh diese ganzen Dinge zu lesen, doch ich muss damit klar kommen das ich sehr jung war. Die ganzen Jahre konnte ich mir noch einreden, dass ich vielleicht älter als 8 war, wenn ich heute darüber nachdenke, wusste ich wohl auch unbewusst das ich jünger war, doch es kam nicht wirklich in meinem Bewusstsein an. Es wird derzeit von einem Tatzeitraum ab 1985 ausgegangen, damals war ich 7 Jahre...
Ich muss heute davon ausgehen das ich insgesamt von den beiden Tätern länger als 9 Jahre missbraucht wurde. 9 Jahre in einer Kindheit ist eine sehr lange Zeit, kannst du dir vorstellen wie sich dies anfühlt? Es haute mich einfach um zumal in der Aussage Dinge standen an die ich mich selbst nicht erinnern kann.
Meine Großeltern, ein anderer Onkel und eine Tante haben bisher die Aussage verweigert, was für mich unbegreiflich ist und mich sehr verletzt. Anfang September bekam ich einen Eröffnungsbeschluss für die Verhandlung gegen meinen Onkel V.
Am 13.10.2005 war es soweit und er wurde verurteilt. Wenn du den Text über die Anzeige gegen V. lesen möchtest klicke bitte hier.
Die Zeit bis zur Verhandlung war sehr aufwühlend für mich, ich hatte viele Ängste, doch dank meiner lieben Therapeutin Frau Barth, bei der ich seit August 2005 wieder bin, konnte ich gut auf mich aufpassen und die Aussage machen. Wie gesagt, er wurde veruteilt, zwar "nur" auf Bewährung und eine Geldstrafe, doch immerhin etwas.
Durch die Verhandlung konnte ich auch dieses mal wieder ein Stückchen abschließen, ich glaube es ist wirklich gut, wenn man seine Täter anzeigt. Mir hat es jedenfalls beide male sehr geholfen.
Wie du ja vielleicht bei meinem Weg 2002 gelesen hast, hab ich den Kontakt zu meinen Tanten verloren, dies hat sich auch nicht mehr geändert. Bis heute besteht zu meinen Großeltern und Tanten kein Kontakt mehr.
Doch dafür ist etwas sehr schönes passiert, denn ich hab Martins Mutter von mir erzählt und sie hat wunderbar reagiert. Es stärkte die Verbindung zwischen uns und es tat so gut das mir geglaubt wurde. Zwei Jahre später (2007) schrieb ich auch seiner Schwester und deren Mann eine E-Mail und brach mein Schweigen ein weiteres mal. Und was soll ich sagen? Es sind wunderbare Menschen und sie haben toll reagiert.
Wenn sich eine Tür schließt öffnet sich eine andere, und das tut unheimlich gut.
Im Juli 2005 habe ich auch einen Antrag nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) gestellt doch über ein Jahr nichts gehört.
Mein Satz in der Sylvester Nacht 05/06 war
Tschüß 2005 und komm nie wieder.
Die Verhandlung war geschafft, ich konnte nach vorne blicken und war erleichtert das es vorbei war, von daher fand ich den Satz sehr passend. Es waren nicht einfach nur Worte, ich fühlte es regelrecht und verabschiedete mich davon.
In der Sylvesternacht legte ich (als Luna) wie die Jahre zuvor wieder Karten, es war ein schönes Fest.
Ich merke nach wie vor, dass ich nicht geheilt bin, aber insgesamt geht's mir viel besser als noch vor Jahren. Der Weg lohnt sich.
Das Thema Missbrauch dringt öfter in den Hintergrund, es ist aber dennoch da und kommt dann und wann zum Vorschein. Doch ich fühle mich versöhnt mit der kleinen Sandra in mir.
Dieser Text stammt von der Webseite „der lange weg ins licht“, und findest du unter www.derlangeweginslicht.de/meinweg.php
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