Login





Mein Weg 2002

Klinik und die Tanten

Ich entschloss mich 2002 zu einem Klinikaufenthalt, war drei Monate in Oberursel in der Klinik Hohen Mark, diese Zeit möchte ich wirklich nicht missen. Es tat mir gut und ich erarbeitete mir sehr viel in dieser Zeit. Mir wurde aber auch klar, wie sehr es mich belastet, dass ich den Missbrauch durch V. geheim hielt. Meine Mutter wusste seit 2001 davon, wir haben aber nur einmal kurz darüber gesprochen, danach nicht mehr.

Ich hatte nach der Klinikzeit viel Kontakt zu einer Tante die mit mir im selben Ort wohnte. Ich war öfter bei ihr und passte ab und zu auch auf ihren Sohn auf. Ich grübelte lange Zeit wie ich ihr sagen könnte, was ihr Bruder mir angetan hat. Ich traute mich nicht, wusste aber, dass ich es sagen muss, wenn ich mit meinem Weg weiter kommen möchte.

Im Mai 2003 war es dann soweit, ich sagte es ihr und fühlte mich danach sehr verletzt. Sie sagte das sie sich das gar nicht vorstellen könne, wann es gewesen sei usw. eben die „perfekte“ Situation für mich. Sie sagte das sie ein Treffen mit V., mir und dem anderen Kind von damals möchte, und ihn dann dazu befragen würde.

Ich sagte ihr, dass ich nicht lüge und sie meinte, dass sie mir ja glauben würde. Doch für mich passte es nicht zusammen, mir glauben, aber gleichzeitig sagen das sie es sich nicht vorstellen kann?

Nach diesem Gespräch hatte ich Therapie, ich war sehr froh darüber, denn in mir waren tausend Gedanken und tiefer Schmerz. Ich war hin und her gerissen, wusste nicht was ich denken soll und wie meine Tante nun dazu steht.

Als ich wieder zu Hause war schrieb ich ihr einen Brief, ich erklärte ihr warum ich es ihr gesagt habe, hatte Angst um ihren Sohn, denn V. fand damals nicht nur kleine Mädchen „toll“. Auf diesen Brief kam niemals eine Antwort. Ich hörte nichts mehr von ihr und dies tat mir sehr weh...

Zu Weihnachten kam zwar eine SMS mit Weihnachtsgrüßen, doch dies schmerzte mehr als es gut tat. Ich schrieb zurück, dass ich es schade finde, dass ein Thema seit 8 Monaten ignoriert wird und dann einfach so Weihnachtsgrüße kommen. Doch es kam wieder keine Reaktion.

Dies wiederholte sich dann im Frühjahr 2004, denn ich bekam eine Einladung zur Kommunion ihres Sohnes. Jetzt denkst du vielleicht, wieso ich nicht hingegangen bin und es doch ein Zeichen von ihr war?

Doch der Pate von ihrem Sohn ist V., er war natürlich auch dort und dies wollte ich mir nicht antun. Ich schrieb meiner Tante wieder einen Brief und erklärte ihr wieso ich nicht kommen würde. Schleuderte ihr entgegen dass ich den Missbrauch nicht ausradieren kann, es aber vielleicht endlich eine gute Gelegenheit wäre der ganzen Familie zu sagen, was V. mir angetan hat. Dies würde ich aber Ihrem Sohn nicht antun, da man nur einmal im Leben eine Kommunion hat. Man hat auch nur eine Kindheit und es reicht, dass mir diese genommen wurde...

Ihrem Sohn schrieb ich, dass ich leider nicht kommen kann, an diesem Tag aber fest an ihn denke...

Auf diese Briefe kam wieder keine Reaktion und seit dem ist „Funkstille“. Es ist für mich sehr widersprüchlich und nicht zu greifen. Auf der einen Seite schreibt sie SMS und schickt eine Einladung, aber auf der anderen Seite reagiert sie mit keiner Silbe, sobald ich klar sage, dass es mich „nur so“ gibt, und ich den Missbrauch nicht länger verschweige.

Denn ich werde mich nicht länger in diesen Käfig des Schweigens einsperren lassen. Ich rede, egal, ob es meiner Verwandtschaft passt, oder nicht. Es hätte mich nur beim weitergehen gehindert... denn der Missbrauch und das „nicht reden“ ist wie ein Sack voller Steine, die ich nach und nach abwerfen musste...

Alles Liebe, Sandra

Dieser Text stammt von der Webseite „der lange weg ins licht“, und findest du unter www.derlangeweginslicht.de/meinweg.php

Das Copyright der von mir verfassten Texte liegt allein bei mir. Eine Vervielfältigung oder Verwendung dieser Texte in anderen elektronischen oder gedruckten Publikationen ist nicht gestattet.

Hast Du bitte einen Euro?

Klicke bitte hier

Ich danke Dir von Herzen dafür.