Konfrontation und Schweigen brechen
2000 wurde ich unverhofft von außen mit dem Missbrauch konfrontiert, es war ein Bekannter zu Besuch und dieser fragte mich, was da mit dem Freund meiner Eltern gewesen wäre. Ich war wie vor den Kopf gestoßen und fragte ihn, wie er darauf kommen würde. Er erzählte mir, dass M. ihm sagte, dass er mit mir „im Bett“ war. In diesem Moment wurde mir heiß und kalt zugleich. Ich hielt Sekunden lang den Atem an und nahm meinen ganzen Mut zusammen um ihm zu erzählen, wie es wirklich war.
Er war sehr geschockt und konnte nicht viel dazu sagen... Im Februar 2000 rief mich dieser Bekannte an, und erzählte mir, dass M. zwei junge Mädchen zu sich eingeladen hätte, er wollte ihnen seinen Fernseher zeigen. In diesem Moment fühlte ich mich wie von einem Zug überrollt. In mir kam eine große Welle Schmerz und zugleich Hilflosigkeit. Was soll ich jetzt nur tun?
Ich rief M. an und schrie ins Telefon, dass ich nun mein Schweigen breche und mir alles egal ist. Er war wohl sehr perplex und wollte sich rausreden, doch ich hörte ihm nicht mehr zu, meine Angst vor ihm war verflogen und ich legte kurz danach auf.
Dann schrieb ich meinen Eltern einen Brief - wenn ich heute diesen Brief lese, sehe ich den Schmerz zwischen den Zeilen, auch die Angst, dass sie mir nicht glauben könnten und sie keinen Kontakt mehr mit mir haben möchten. Doch nichts dergleichen passierte, denn ich hörte einen Tag nichts... Fühlte mich schon bestätigt, dass ich die Schlechte bin und sie nichts mehr mit mir zu tun haben möchten. Ich nahm nach langen Gesprächen mit Jasmin meinen ganzen Mut zusammen und rief zu Hause an.
Meine Mutter ging ans Telefon, mein Vater war zur Arbeit. Sie wollte sich melden, ist aber derzeit noch ganz durcheinander, natürlich glaubt sie mir und steht auch hinter mir. Dies war ein gutes Gefühl für mich, wenn ich auch noch immer am ganzen Körper zitterte.
Ich weiß nicht mehr, ob wir dann am gleichen Abend oder einige Tage später zu ihr gefahren sind. Aber es kam dann zu einem Gespräch, das hauptsächlich darum ging wann M. bei uns übernachtet hatte. Ich konnte keine Zeiträume benennen, meine Mutter hatte aber welche nennen können, womit wir schon mal einen kleinen Schritt weitergekommen waren.
Mein Vater nahm mich in den Arm und sagte, das es ihm leid tut, ihn nahm das ganze auch sehr mit. M. war der beste Freund meiner Eltern, sie hätten nie für möglich gehalten, dass er so etwas tut. Sie haben mir geglaubt und mich unterstützt, dies war sehr wichtig für mich und hat mir auch echt gut getan. Denn der schwerste Schritt stand mir noch bevor: ich erstattete Anzeige gegen M.
Mein Leben veränderte sich in dieser Zeit sehr schnell, durch eine Beratungsstelle bekam ich die Telefonnummer einer sehr guten Therapeutin, ich war bei ihr zur ersten Therapie vier Jahre in Behandlung. Es hat mir gut getan und sehr geholfen den „weg ins licht“ zu finden.
Nachdem die Verhandlungen vorüber waren, kam ich ein wenig zur Ruhe, doch nicht lange, denn die Bilder von dem Missbrauch durch V. wurden präsent. Ich konnte keine Nähe mehr ertragen. Dies kannte ich bisher nicht und war sehr wütend darüber. Ich sah nicht, dass es wieder die kleine Sandra war, die sich zu Wort meldete, hörte ihr leises Weinen nicht...
Dieser Text stammt von der Webseite „der lange weg ins licht“, und findest du unter www.derlangeweginslicht.de/meinweg.php
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