Die Erinnungen kamen, es war eine schwere Zeit
Die Bilder von dem erlebten Missbrauch kamen wie sie wollten. Ich hatte es nicht unter Kontrolle und es schmerzte sehr. Ich war sehr unausgeglichen und bekam starke Selbstmordgedanken, dachte es nicht mehr aushalten zu können und wollte dem Schmerz für immer entfliehen.
Irgendwann sprach ich mit meiner Schwester Jasmin darüber, wir saßen im Auto und ich erzählte unter Tränen was mir widerfahren ist. Mir war damals schon bewusst, dass es nicht nur ein Mann war, der mir das angetan hat... Ich weiß nicht ob beide voneinander wussten, sich vielleicht „abgesprochen“ haben oder ob es nur ein „Zufall“ war, dass gleich zwei sich an mir vergingen. Doch glaubst du an Zufälle? Ich nicht.
Im Vordergrund meiner Probleme stand zuerst der Missbrauch durch den damaligen Freund meiner Eltern. Wenn ich nun sagen soll wann es mit M. anfing, kann ich dies nicht. Die Zeiten sind ein Problem für mich, vielleicht, weil der Missbrauch von dem anderen so früh begann und ich ein Kind war. Der andere ist mein Onkel V., er hat nicht nur mich missbraucht, sondern auch noch ein anderes Kind.
Doch wie habe ich das alles überstanden? Ich hatte Albträume, war schon als Kind gereizt, biss meine Fingernägel ab und machte nach 1986, ich wurde damals 8 Jahre, noch ins Bett. Hinweise? Hätte man es nicht sehen müssen? Oder versteckte ich es zu gut, wegen der Angst, der Scham und dem Ekel?
Lange Zeit, auch noch als es vorbei war, fühlte ich mich schuldig daran. Heute weiß ich, dass ich es nicht hätte verhindern können, ich war ein Kind: was sollte ich denn tun? Ich konnte mich niemandem anvertrauen und rechnete jeden Moment damit, dass es auch andere Männer tun würden.
Sie sagten immer, dass es doch schön und normal sei, ich es doch auch wolle... Tief innen wusste ich, dass es nicht so ist und es falsch ist, was sie tun. Doch ich hatte keine Mittel, dem ganzen zu entfliehen...
Der Missbrauch dauerte, bis ich etwa 16 Jahre jung war, ein genaues Datum kann ich dir nicht nennen. Es war eine lange Zeit, mir kommt es wie ein ganzes Leben vor, war es doch meine Kindheit, die sie mir genommen haben.
Etwa zwei Jahre danach, 1996, wurde mir vieles bewusst, lange verdrängt hatte ich es also nicht. Es war nicht so, dass alles auf einmal hoch kam, man sagt auch, dass die Seele nur das preisgibt, was man verkraften kann. Doch damals war mir alles zu viel. Ich wollte diese Bilder nicht, schlug meinen Kopf gegen die Wand, weil ich hoffte, dass die Erinnerungen dann wieder gehen. Doch sie blieben und ich musste mich damit befassen.
Ich schrieb einer sehr lieben Arbeitskollegin einen Brief und öffnete mich. Ich suchte bei ihr Hilfe. Sie hatte Verständnis für mich und schlug mir vor, in eine Therapie zu gehen. Dies fand ich gut und erhoffte mir, dadurch endlich mit meinen Erinnerungen fertig zu werden. Meine Arbeitskollegin regelte dann alles und machte einen Termin für mich aus. Sie ging zu dem ersten Gespräch mit, denn ich hatte große Angst etwas zu sagen, schämte mich sehr und weinte nur, wenn ich über den missbrauch reden wollte.
Leider war die Therapie sehr unregelmäßig und richtig wohl hatte ich mich auch nicht gefühlt. Ich war innerlich vollkommen zerstört und versuchte immer wieder mein Leben zu beenden. Der Schmerz war für mich kaum auszuhalten, und ich sah keinen anderen Weg.
Meine Eltern wussten damals nichts von dem Missbrauch, ich konnte mich ihnen nicht anvertrauen, fühlte mich alleine gelassen und dachte kurzzeitig auch, dass sie es wussten und nichts dagegen unternommen hätten. Ich wusste nicht mehr, was richtig und falsch ist. In mir schrie es immerzu, es waren die Schreie der kleinen Sandra, die damals missbraucht wurde...
Dieser Text stammt von der Webseite „der lange weg ins licht“, und findest du unter www.derlangeweginslicht.de/meinweg.php
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