Ich war vom 22.07.2002-15.10.2002 in der Klinik Hohe Mark in Oberursel bei Frankfurt. Zwölf Wochen Therapie. Was das heißt kann man kaum in Worte fassen. Es passierte sehr viel in dieser Zeit und ich bin froh, dass ich dort war. In den Alltag zurück zu finden, war für mich sehr schwer, es waren plötzlich wieder so viele Entscheidungen zu treffen und so viele äußeren Reize waren wieder da.
In der Klinik war dies ganz anders. Die Reize wurden weggenommen, ohne das ich es bewusst wahrgenommen hatte.
Es war ruhig und angenehm. Ich habe in der Therapie sehr viel erkannt und verarbeitet. Außerdem lernte ich sechzehn Personen kennen, die auch in einer Klinik waren. Ein Verstellen war dort nicht notwendig, das Thema Therapie war klar, ohne das ich ein Wort davon erzählen musste. Ich spürte so einen gewissen Zusammenhalt, obwohl ich ganz neu in diese Gruppe kam. Friede, Freude, Eierkuchen war dort aber nicht immer, nein es gab auch mal Zoff, so wie im echten Leben. Freundschaften wurden geschlossen, es wurde zusammen gesungen oder auch mal den ganzen Tag "UNO" gespielt. Mit manchen konnte ich tiefer reden, und mit anderen hatte ich sehr wenig zu tun.
Dazwischen die Therapien.
Es ging zur Maltherapie und Gestaltung außerdem noch zur Bewegung und Entspannung. In der Gestaltung hatte ich durch die langen Gespräche mit der Therapeutin einen Zugang zu meinem inneren Kind erarbeitet. Es fing mit gemalten Bildern an, die zuerst ziemlich durcheinander waren und die ich nicht richtig zuordnen konnte. Ich dachte, dass ich es niemals schaffe, doch ich war schon auf dem besten Weg ohne das ich es gemerkt hatte.
Die Gruppentherapien.
Im kleinen Kreis die Intensivgruppe, und im großen die Gruppenvisite und Erlebnisgruppe. Etwas erlebt hatte man in diesen Gruppen, sehr oft die eigenen Gefühle. Tränen waren normal und es wurde stillschweigend ein Taschentuch gereicht. In den Einzelgesprächen hatte ich gelernt mir einen sicheren Ort zu schaffen, zu dem nur ich Zutritt hatte. Die Erinnerungen und Bilder packte ich vorerst in einen Tresor. Es wurde geredet, und vieles wurde mir bewusst. Doch ich dachte, die Therapie hätte noch gar nicht richtig anfangen. Fühlte mich vor einer Tür und traute mich nicht sie zu öffnen. Ich hatte keine Ahnung was dahinter stand, doch ich spürte eine Angst.
Es wurde eine Fokusrunde gemacht, ein Landschaftsbild in dem ich meine Stimmung ausdrücken sollte.
Ich malte einen grünen Hügelbereich, einen Baum, einige Blumen. Doch es fehlten noch die Wolken, zuerst nur umrandet und ich glaube, eine zarte Sonne kam auch noch dazu. Aber das war zu hell, also wurden die Wolken dunkler und es fing an zu regnen.
Geschafft, aber sagt das wirklich etwas aus? Ich zweifelte an dem Sinn der Fokusrunde.
Dann sollte ich mich kneten, und an mir zeigen, mit welchen Problemen ich gekommen war. Nun, ich nahm blaue Knete, weil mir die Farbe gefiel, und ging in mein Zimmer. Klappte alles wunderbar, wusste gar nicht das ich so gut kneten kann. Geschafft, also bin ich zu der Schwester gegangen um es abzugeben. Die Schwester hatte mich angeschaut und gefragt ob ich noch was dazu sagen möchte. Naja was sollte ich schon groß dazu sagen?
"Also, die Öffnung die da an mir ist, soll heißen, dass ich mich so zerrissen fühle... und die Hände, ja... das sind die Hände die ich immer noch an mir spüre und die ich einfach nicht wegbekomme... und irgendwie habe ich keinen richtigen Schutz für mich, was zur Folge hat das ich mich immer noch anfassen lasse."
Fertig und Punkt, aber wirklich gesehen und gespürt hatte ich nicht, was ich da geknetet hatte.
Bauklötze und Familie, ich sollte meine Familie anhand dieser Klötze aufstellen.
Papa. Mama. Katrin. Jasmin. Ich. Patrick.
Komisches Gefühl wie soll ich uns eigentlich stellen......?......?.....
Es tat weh, es wieder zu spüren. Plötzlich erinnerte ich mich daran, dass ich mich früher abseits stellte, aus Angst, dass jemand merken könnte was mit mir los ist. Ich fühlte mich so verletzt in dem Moment als die Erinnerungen kamen, da ich endlich verstehen konnte wie es wirklich war. Ich hatte meiner Mutter oft unrecht getan, weil ich sagte, dass sie mich nicht liebt und das ich mich nicht erinnern kann, dass sie mich in den Arm genommen hat, doch in diesem Moment war klar wie es wirklich war. Nicht sie gab mir keine Liebe, sondern der/die Täter schafften es, dass ich mich von ihr entfernte. Das ich mich ihrer Liebe entzog und nichts mehr angenommen hatte. Das tut so verdammt weh, was haben sie denn noch alles geschafft?? Sie haben mir die Liebe genommen, die Ursprungsliebe die ein Kind normalerweise bekommt, es tut so weh diese Liebe nicht zu haben!!!! Was ich bekam war Sexualität, Ekel und Schmerz!!! Wie lang dachte ich, dass dies Liebe sei? Viel zu lange... doch damit ist heute Schluss, dank dieser Bauklötze habe ich das erkannt. Die Ursprungsliebe werde ich nicht mehr bekommen können, diese wird mir mein ganzes Leben lang fehlen... Doch ich kann die wahre Liebe suchen und kennen lernen, denn bisher dachte ich, dass das was ich von klein auf kennen gelernt habe Liebe sei.
Mir ging es nicht so gut. Die Tür war immer noch da und es ging einfach nicht weiter. Dann wurde sie durch den "unerhofften" Anblick meiner Knetfigur aufgestoßen. Es traf mich wie ein Blitz, ich konnte mich gar nicht mehr bewegen, war wie erstarrt und ich spürte meine Tränen, die mir übers Gesicht liefen. Ich sah diese Figur und war total erschrocken. Das habe ich geknetet? Warum sehe ich es erst jetzt richtig? Was ist das????
Die Schwester sagte, dass ich die Hände vom Körper nehmen soll, doch ich konnte es nicht tun. Dann wurde es wieder zugedeckt. Ruhe. Danach Ärger, warum machen die das nur mit mir? Ich war wütend, doch heute verstehe ich den Grund nicht mehr.Es gab auch eine Zeit voller Träume die mich sehr belastete. Dank den Therapeuten konnte ich auch darüber reden, dass half mir sehr und die Träume wurden wieder weniger.
In den Therapien wurde viel gesprochen und mit dem inneren Kind gearbeitet. So kam es auch, dass ich eines Tages in die Stadt gefahren bin und dort einen Teddy gekauft hatte. Der Teddy als Symbol für die kleine Sandra und gleichzeitig auch als Geschenk an sie. Das war ein gutes Gefühl und es fühlt sich immer noch gut an. Es mag sich für manche vielleicht seltsam anhören, doch ich schlafe immer mit diesem kleinen Teddy im Arm ein. Mit der kleinen Sandra in mir... durch den Teddy ist es einfacher einen Kontakt herzustellen, vielleicht würde dir es auch helfen, wenn du Betroffene bist.
In der Gestaltung machte ich ein Türschild aus Ton.
Ich sollte nur das zeigen, was ich nach außen zeigen möchte...
Mein Name kam drauf, eine Sonne und Blume.
Dann habe ich eine "Schatzkiste" gemacht. Die Kiste aus Holz bestand schon, ich musste sie nur noch gestalten... Innen malte ich die Kiste schwarz an... Außen wurde die Kiste gelb, der Deckelrand blau und dann noch ein wenig verziert.
Ich ließ die Farbe trocknen und schaute mir die Kiste an. Die Innenseite vom Deckel kam mir dann doch zu dunkel vor, also nahm ich weiße Farbe und malte noch ein lachendes Gesicht rein. Das war wirklich mal was von mir. Geschafft!
Ich zeigte meine Kiste der Gestaltungstherapeutin und anderen Mitpatienten, manche fanden das lachende Gesicht gar nicht so lustig, dass konnte ich nicht verstehen. Aber es sagte mir auch keiner, warum es nicht so lustig ist, doch als ich einige Tage zu Hause war, habe ich es auch verstanden.
Denn die Kiste spiegelt in gewisser Weise mein Leben da, von außen so lustig und bunt schillernd, innen ist jedoch alles dunkel und schwarz verborgen, und das weiße lachende Gesicht lenkt sehr gut davon ab, damit man bloß nicht genauer hin schaut.
Es ist nur seltsam das ich so lange brauchte um es auch zu sehen, denn als ich die Kiste fertig hatte und auch während der ganzen Herstellungszeit dachte ich, dass ich wirklich eine Schatzkiste bemalte, doch mein Unbewusstes hat wohl mitgearbeitet, denn im Grunde genommen ist es ja ein Selbstportrait.
Kurz danach stand meine Heimreise an, nach 12½ Wochen ging es wieder in die wirkliche Welt. Es war ein seltsames Gefühl wieder zu Hause zu sein. Ich habe mir vorgenommen viel gutes für mich zu tun, und mein Leben neu zu leben. Einiges ist mir gelungen, vor allem höre ich jetzt auch auf die kleine Sandra in mir, und ich achte auf mich. Ich bin jetzt auch das erste mal in meinem Leben ganz für mich da, ich versuche mir gutes zu tun und ging auch weiterhin zu meiner lieben Therapeutin. Leider ist meine Therapie nun seit Mai 2004 beendet, es ist ein komisches Gefühl und die Zeit wird wohl zeigen wie ich ohne Therapie zurecht kommen werde. Bald wird hier auch ein längerer Text über meine Therapiezeit zu finden sein.
Die Klinikzeit möchte ich nicht missen, es war eine gute und richtige Entscheidung diesen Schritt zu gehen. Wenn du also mal mit dem Gedanken spielen solltest in eine therapeutische Klinik zu gehen, darfst du dich gerne an mich zurück erinnern. Ich kann dir sagen, dass die Therapie sehr hilfreich ist. Es ist aber auch harte Arbeit, du musst bereit sein an dir zu arbeiten. Denn nur wenn du eine Therapie willst kann sie dir auch helfen.

Dieser Text stammt von der Webseite „der lange weg ins licht“, und findest du unter www.derlangeweginslicht.de/klinik.php
Das Copyright der von mir verfassten Texte liegt allein bei mir. Eine Vervielfältigung oder Verwendung dieser Texte in anderen elektronischen oder gedruckten Publikationen ist nicht gestattet.
























